10 Tage auf Island - eine Einsteigerroute zwischen Feuer und Eis

6. Juli 2017


Selten hat mich ein Land so umgehauen wie Island. Die Insel im hohen Norden Europas ist nicht nur unbändig und rau, sondern auch unglaublich schön und romantisch zugleich. Auf meiner zehntägigen Inselumrundung habe ich diese Facetten kennengelernt und möchte sie hier gerne mit dir teilen. Begebe dich auf eine Reise zwischen Feuer und Eis. Erlebe aktive Vulkane, heiße Quellen, Geysire und brodelnde Schlammtöpfe. Lerne die Gastfreundlichkeit der Isländer kennen, mache dich auf die Suche nach Feen und Kobolden und verliebe dich in die unberührte Natur. 

 

Tag 1:    Reykjavik

Je nachdem, wann du auf Island ankommst, führt dein erster Weg vermutlich in die Hauptstadt der Insel. Mit ihren 120.000 Einwohnern zählt Reykjavik zu den eher kleinen Hauptstädten der Welt. Dennoch hat der Sitz der meisten Isländer ein einzigartiges Flair zu bieten, das du schon bei deinem ersten gemütlichen Spaziergang durch die Stadt entdecken wirst. Um die schönsten Ecken der Stadt kennen zu lernen, solltest du auf jeden Fall einen Reisetag einplanen. Versuche dabei aber auf keinen Fall die bekannten Sehenswürdigkeiten nach Plan abzuklappern. Laufe einfach los und lasse dich im Strom der isländischen Gelassenheit treiben. Ganz ohne große Anstrengungen wirst du so an der ein oder anderen Hauswand Reykjaviks Straßenkunst bestaunen können, mit den Einheimischen deinen ersten Kaffee trinken oder in den süßen Lädchen die ersten Andenken ergattern. Vergiss nicht, dir Reykjavik auch einmal von oben anzuschauen. Das kannst du am besten auf der Hallgrimskirkja, die du ganz leicht findest, indem du von der Shoppingmeile Skolavördurstigur immer bergauf gehst. 

 

Tag 2:    Golden Circle

Dein zweiter Reisetag eignet sich perfekt für einen Tagesausflug zum Golden Circle. Auch wenn du hier sicher einigen anderen Urlaubern über den Weg laufen wirst, die Fahrt zu den größten Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Hauptstadt lohnt sich. Hier wirst du zum ersten Mal der Schönheit der Insel begegnen und es kaum noch abwarten können, mehr zu entdecken. Die Tagestour führt dich zunächst zum Nationalpark Þingvellir. Hier verläuft die Grenze der eurasischen und amerikanischen Kontinentalplatte, wodurch sich dir eine wild zerklüftete Schlucht aus dunklem Basalt inmitten von saftigem Grün bietet. Auf den gut ausgeschilderten Wanderwegen kannst du diesen historisch bedeutsamen Ort in Ruhe erkunden und die ersten tollen Landschaftsaufnahmen schießen. Danach geht´s weiter zum Geysir Strokkur, der zwischen Schlammtöpfen und dampfender Erde in gleichmäßigen Abständen aus dem Boden schießt. An diesem Stop kannst du im angrenzenden Geysir Center eine Kleinigkeit zu dir nehmen, um dich danach gut gestärkt in Richtung Gulfoss zu begeben. Der Goldene Wasserfall zählt zu den schönsten Islands und stürzt über zwei versetzte Stufen in eine tiefe Schlucht.

 

Tag 3:    Von Reykjavik über Akranes nach Borgarnes

Heute begibst du dich in nördlicher Richtung auf die Ringstraße, auf der du die Insel in den kommenden Tagen umrunden wirst. Tagesziel ist der kleine verschlafene Ort Borgarnes am Borgarfjördur. Auch wenn es hier nicht wirklich viel zu sehen gibt, so ist doch der Weg entlang des atemberaubenden Hvalfjördur, welches du nicht weit hinter Reykjavik findest, einmalig und unbezahlbar. Am liebsten würde man hier alle 5 Kilometer einen Fotostopp einlegen. Wenn du möchtest, kannst du kurz hinter dem Fjord eine Rast in Akranes einlegen. Hier wirst du kaum Touristen finden, da das kleine Städtchen eher weniger zum Verweilen einlädt. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch des Leuchtturms, in dem lokale Künstler ihre Werke ausstellen und auf dessen Aussichtsplattform du einen guten Blick auf das Meer hast.  In Akranes bietet sich dir bei gutem Wetter zudem die Chance auf einen Strandspaziergang, auch wenn die angrenzende Industriekulisse eher wenig an Urlaub erinnert.

 

Tag 4:    Von Borgarnes nach Stykkisholmur

Für einen Teil deiner heutigen Route benötigst du gute Nerven - so viel vorab. Nachdem du in Borgarnes gestartet bist, wirst du zunächst eine längere Zeit ohne Zwischenstopp auf der B72 Richtung Anarstapi unterwegs sein. Auf dem Weg dorthin kannst du jedoch eine kleine Wanderung zum Eldborg-Krater unternehmen. Dieser ist nicht wirklich ausgeschildert, du kannst ihn aber schon kurz hinter Borgarnes in der Ferne erkennen. Dann musst du nur noch die richtige Einfahrt finden und eine 1 1/2-stündige Wanderung auf dich nehmen. (Die Länge der Wanderung hängt hier natürlich von deiner persönlichen Fitness und dem Gehtempo ab ;)) Die Aussicht vom Krater eröffnet dir dann einen wunderbaren Weitblick. Das richtige Abenteuer des Tages wartet aber noch auf dich. Kurz vor Anarstapi biegst du rechts auf die F-Straße 570. Auch wenn du keinen Geländewagen hast, kannst du diese Teiletappe über den mächtigen Snæfellsjökull meistern. Allerdings solltest du dich darauf gefasst machen, von rasenden (so hat es sich zumindest angefühlt) Hochlandbussen oder Geländefahrzeugen auf der Schotterpiste überholt zu werden. An sich nicht schlimm, denn zwischendurch gibt es immer mal wieder kleine Parknischen. Wenn du aber ein "normales" Auto fährst, ist das Geräusch der umherschleudernden Steine eher beunruhigend. Da wir uns im Schneckentempo vorwärts bewegt haben, ist unserem Auto aber tatsächlich nichts passiert. Oben angekommen wird's ziemlich frisch, aber auch absolut atemberaubend. Nach diesem tollen Tageserlebnis kommst du gegen Nachmittag oder frühen Abend in Stykkisholmur an. In der kleinen Hafenstadt hast du nochmals die Möglichkeit, Island von oben zu sehen. Am Hafen führt ein kleiner Weg zum Leuchtturm. Von dort hast du einen wunderbaren Blick auf Stykkisholmur und das Meer.

 

Tag 5:    Von Stykkisholmur zum See Svinavatn

Den fünften Tag verbringst du fast nur auf der Straße in Richtung der Westfjorde. Jedoch gibt es zwischendurch immer wieder die Gelegenheit für tolle Aufnahmen. Viele Touristen werden dir auf diesem Routenabschnitt nicht begegnen. Stattdessen steht ab und an das ein oder andere Schaf auf der Straße. Die meisten Ringstraßler verbringen die Nacht in Varmahlid. Wir haben uns auf unserer Reise dazu entschieden, den Tag am wunderschönen Svinavatn-See ausklingen zu lassen. Hier gibt's es tatsächlich nur ein einziges Guesthouse und du kannst die Ruhe der Natur fernab deines Roadtrips mal so richtig genießen. Wenn du doch direkt nach Varmahlid fahren solltest, kannst du dir kurz vor dem Ende der Tagesetappe das Kirchdorf Glaumbær mit seinen Grashäusern anschauen.

 

Tag 6:     Fahrt nach Akureyri und Whale Watching in Húsavík

Heute geht's entlang der Nordküste nach Akureyri. Da die Fahrt mit knappen zwei Stunden schnell geschafft ist, hast du am Mittag sicher Zeit, um die drittgrößte Stadt Islands zu erkunden. Falls du deine Reise im Sommer machst, ist der Botanische Garten auf dem Hügel über der Stadt sicher einen Besuch wert. Mache dort vielleicht sogar ein Picknick bevor du gegen Nachmittag zum Whale Watching nach Húsavík fährst. Nirgendwo sonst in Island bieten sich so gute Möglichkeiten zur Walbeobachtung. Neben den sanften Riesen steuern die leisen Elektroboote auch Puffin-Island an.

 

Tag 7:    Von Akureyri nach Seyðisfjörður

Am achten Tag solltest du dir auf jeden Fall Proviant einpacken, wenn du Geld sparen möchtest. Es wartet eine etwas längere Tagesetappe auf dich, die dich mit großartigen Eindrücken begeistern wird. Kurz nachdem du dich wieder auf die Ringstraße Nr.1 begeben hast, solltest du zwischen Akureyri und Mývatn einen Abstecher zum Goðafoss, dem Götterwasserfall, machen. Hier wirst du zwar wieder ziemlich viele andere Reisende antreffen, aber verpassen solltest du dieses Naturschauspiel trotzdem nicht, Danach begibst du dich weiter in Richtung des Mývatn-Sees. Wir haben diesen auf unserer Route nur umfahren, da wir uns lieber den Bergrücken Námafjall anschauen wollten. Hier fühlst du dich ein bisschen wie in einem Science-Fiction-Film. Überall dampft und zischt es und natürlich darf auch hier der bekannte Geruch nach faulen Eiern nicht fehlen. Ein Pfad, der über den kompletten Berg führt ermöglicht dir einen einzigartigen Blick über das Solfatarenfeld. Nur 10 Minuten vom Námafjall entfernt wartet bereits die nächste Sehenswürdigkeit, der Víti-Krater auf dich. Wenn du noch genügend Energie haben solltest, kannst du hier eine einstündige Wanderung auf dem Kraterrand unternehmen. Wir haben hier einen kleinen Imbiss gemacht und dabei den Ausblick auf das türkisblaue Wasser genossen. Als Tageshighlight wartet als letzter Stopp der Dettifoss auf dich. Er ist der größte Wasserfall der Insel und ist schon von weitem zu hören. Die Naturgewalt von 1500m³ Wasser, die pro Sekunde hinabstürzen, wird dir allerdings erst klar, wenn du direkt an der Fallstufe stehst. Einfach ein unvergessliches Erlebnis. Die Nacht kannst du heute etwas ruhiger am Seyðisfjörður verbringen.

 

Tag 8:    Von Seyðisfjörður nach Höfn

Wer in Island Papageientaucher sehen möchte, wird heute auf seine Kosten kommen. Dazu musst du jedoch zuerst wieder nach Egilsstaðir zurück und von dort aus noch einmal rund 60km Richtung Borgarfjörður (Bakkargerdi). Der Vogelfelsen am Hafen ist ein echter Geheimtipp, hierhin verirren sich kaum Touristen. In Ruhe kannst du hunderte von Papageientauchern bei der Brut und Futtersuche beobachten. Nach diesem tierischen Erlebnis fährst du über die Ringstraße wieder nach Egilsstaðir und von dort aus entlang der Ostfjorde nach Höfn. Auf der Strecke selbst gibt es keine Attraktionen, jedoch ist die Fahrt durch die atemberaubende Landschaft jeden Kilometer wert.

 

Tag 9:    Von Höfn nach Vik

Kurz vor Ende deiner Island-Route erlebst du noch einmal ein Highlight der Extraklasse, an das du dich sicher noch lange erinnern wirst. Während du Island auf den letzten Stopps noch als Insel des Vulkanismus kennengelernt, wirst du nun eine völlig neue Seite dieses großartigen Landes kennenlernen. Etwa eine Stunde nach deiner Abreise in Höfn erreichst du die berühmte Gletscherlagune Jökulsárlón. Es lohnt sich, an diesem Tag früh aufzubrechen, denn nicht nur du willst dieses einmalige Naturschauspiel sehen. Viele Reisebusse steuern die Lagune an, da sie schon in einigen Filmen als Kulisse genutzt wurde. Mit Amphibienfahrzeugen kannst du näher an die riesigen Eisbrocken heranfahren, die je nach Wetter in den verschiedensten Farben leuchten. Traurig, aber wahr: den Gletscher wird es aufgrund der globalen Erwärmung nicht mehr lange geben. Nutze also deine Chance, diese Schönheit einmal in deinem Leben zu sehen. Nachdem du die Lagune verlassen hast, wirst du ein bisschen weiter westlich bald auf schwarze Aschestrände treffen. Den Wind und das Meer solltest du an der kompletten Südküste nicht unterschätzen.

 

Tag 10:    Time to say Goodbye - von Vik zurück nach Reykjavik

Am letzten Tag liegen nicht mehr allzu viele Kilometer vor dir. Kurz vor Reykjavik wartet am verlassenen Sólheimasandur’s black sand beach ein Flugzeugwrack der USA, das 1973 aus bislang unbekannten Gründen abstürzte, auf dich.  Für viele Islandbesucher bieten die metallischen Überreste eine einzigartige Fotokulisse. Um zum Wrack zu gelangen, musst du dein Auto auf dem ausgeschilderten Parkplatz an der Ringstraße parken und eine 1 1/2-stündige Wanderung auf dich nehmen. Packe dich auch im Sommer warm ein. Der Wind wird dir den Fußmarsch zum Flugzeug auf jeden Fall erschweren. Etwa 40km weiter westlich hast du die Chance auf den letzten Wasserfall deiner Reise. Der Seljalandsfoss ist ein besonderer seiner Art, da hinter seinem Wasserschleier ein kleiner Pfad entlang führt.

Gut zu wissen: hier wirst du ziemlich nass, wenn du nicht ein Cape oder regenfeste Kleidung anziehst. Gegen Nachmittag erreichst du Reykjavik als Endpunkt deiner Inselumrundung. Jetzt hast du noch ein wenig Zeit, im ein oder anderen Souvenirshop ein Andenken an deine vergangenen Tage zu erwerben, bevor du am nächsten Tag in den Flieger steigst und Island mit vielen unvergesslichen Erinnerungen verlässt.

 


 Gefällt dir meine Einsteigerroute? Welche Empfehlungen würdest du hier noch gerne teilen?

Kommentare: 0